GEWALT BEI GEBURTEN

"Keine Sorge, ich nähe Sie so gut zu, danach sind Sie besser als vorher!"

Von derart sexistischen Sprüchen, die oft auf perverse Art als Witz vermittelt werden, haben schon viele Frauen im Rahmen ihrer Erfahrungen aus dem Kreissaal berichtet. Hierbei geht es um die Nähte, die unweigerlich nötig werden, nachdem unter der Geburt ein Dammriss oder Dammschnitt erfolgt ist. Wer jetzt denkt, da sei nichts dran, muss sich leider eines Besseren belehren lassen: viel zu häufig machen Frauen nach der Geburt auch noch Monate später die Erfahrung heftigster Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder aufgrund von nicht gut verheilender Wunden. Diese Schmerzen sind rückführbar auf sogenannte "husband stitches" oder auch "daddy stitches", bei denen dere behandelnde Gynäkologe oder die Gynäkologin die Vulva enger zusammennäht als es therapeutisch indiziert wäre. Dies passiert oft ohne, dass die Patientin davon weiß, in der Annahme, eine engere Vaginalöffnung verspreche eine verbesserte Erregung während des Geschlechtsverkehrs. Hier handelt es sich klar um einen Eingriff in die Autonomie der Frau über ihren Körper. 

Doch auch ohne diese grauenvolle Prozedur gibt es Mängel in der Geburtshilfe, die nicht mit dem Recht der Patientin auf Information und Selbstbestimmung konform gehen. So werden Dammschnitte in der Regel nicht mehr oder nur noch selten empfohlen, da inzwischen herausgefunden wurde, dass das Gewebe besser nach einem natürlichen Riss verheilt. Nicht nur werden also manche unnötigen Eingriffe im Laufe einer Geburt vorgenommen, die Patientin wird auch oft nicht zureichend darüber informiert (wenn überhaupt). Eine Prozedur, die weitreichende Risiken birgt, verlangt nach einer adäquaten Aufklärung und Einholen des Einverständnisses. Stattdessen passiert es zu oft, dass Patientinnen erst von ihrem Dammschnitt erfahren, wenn es bereits an die Nähte geht.