SCHWANGERSCHAFTSABBRUCH

RECHTSLAGE

Mit dem Abbruch einer ungewollten Schwangerschaft handelt es sich wohl um eines der umstrittensten Tabu Themen in der Medizin. Die rechtliche Lage für Mediziner*innen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen, ist oft prekär aufgrund der strengen Gesetzgebung. Demnach ist der Schwangerschaftsabbruch laut §218 StGB in Deutschland keine therapeutische Leistung, sondern ein potenzieller Strafbestand. Darüber hinaus ist nicht nur der Eingriff selbst, sondern sogar die Weitergabe von Informationen, die diesen Eingriff betreffen, strafbar (§219 StGB).

Seit Kristina Hänel vor Gericht § 219a StGB angefochten hat, ist es Ärzt*innen nun zumindest erlaubt damit zu werben, dass sie Schwangerschaftsabbrüche vornehmen. Diese Entwicklung ist enorm wichtig, denn weltweit müssen Frauen unglaubliche Anstrengungen auf sich nehmen, um überhaupt eine fachgerechte Behandlung zu erfahren. Und wenn man nicht einmal weiß, an welche*n Mediziner*in man sich wenden kann, dann macht das die Situation nicht einfacher.

Dennoch betrachten wir es kritisch, dass es Ärzt*innen weiterhin verboten ist, sachliche Informationen zu diesen Eingriffen weiterzugeben. In jedem anderen Bereich der Medizin wird die Aufklärung groß geschrieben, wieso also nicht auch hier? Haben wir nicht alle ein Recht auf die Autonomie und Selbstbestimmung über unseren eigenen Körper, sowie ein Recht auf ausreichende Information über Eingriffe, die an ihm praktiziert werden?

LEGAL POSITION

The termination of an unwanted pregnancy is probably one of the most controversial taboo topics in medicine. The legal situation for medical professionals who perform abortions is often precarious due to the strict legislation. According to §218 StGB, the termination of pregnancy is not a therapeutic service in Germany, but a potential punishment. In addition, not only the intervention itself, but even the passing on of information relating to this intervention, is punishable (§219 StGB).

Since Kristina Hänel challenged Section 219a StGB in court, doctors are now at least allowed to advertise that they are performing abortions. This development is extremely important, because women around the world have to make an incredible effort to receive professional treatment at all. And if you don't even know which doctor to turn to, that doesn't make the situation any easier.

Nevertheless, we are critical of the fact that doctors are still forbidden to pass on factual information about these interventions. In every other area of medicine, elucidation and transparency are very important, so why not here too? Don't we all have a right to autonomy and self-determination about our own body, as well as a right to adequate information about interventions that are being practiced on it?

AUSBILDUNG

Im Medizinstudium wird auch in der gynäkologischen Lehre kaum einmal der Schwangerschaftsabbruch thematisiert. Wenn er überhaupt zur Sprache kommt, dann oft in einem medizinethischen Kontext, der eher zu Vorsicht zu mahnen scheint, als dass er den Schwangerschaftsabbruch als Gesundheitsleistung definieren will. 

Hier aber kommt es zu einem erheblichen Missstand: denn Ärzt*innen, die bereits während des Studiums nicht mit dem Thema Schwangerschaftsabbruch in Kontakt kommen, werden auch im Beruf später weniger dazu neigen, diesen als wichtigen Bestandteil der gynäkologischen Betreuung zu sehen.


Genauso betrachten wir es kritisch, dass nicht einmal in der fachlichen Weiterbildung Schwangerschaftsabbrüche als Pflichtbestandteil der Ausbildung betrachtet werden, ungeachtet der Tatsache, dass sie einen der häufigsten gynäkologischen Eingriffe ausmachen. Das Problem hierbei liegt auf der Hand - was man nicht lernt, kann man auch nicht praktizieren. Somit besteht ein Defizit im gynäkologischen Therapiespektrum, zum Nachteil von Menschen mit Uterus, die auf eben diese Therapie angewiesen sind.

EDUCATION

In medical studies, abortion is hardly ever discussed in gynecological teaching. If it comes up at all, it is often in a medical-ethical context that seems to urge caution rather than defining abortion as a health service.

Here, however, there is a considerable defect: because doctors who do not come into contact with the topic of abortion during their studies will also be less inclined to see it as an important part of gynecological care later in their job.


We are also critical of the fact that abortions are not even considered a compulsory part of training in professional training, regardless of the fact that they are one of the most common gynecological interventions. The problem here is obvious - what you can't learn you can't practice. This means that there is a deficit in the spectrum of gynecological therapies, to the detriment of people with a uterus who are dependent on this therapy.

PAPAYA WORKSHOP

Unser Ziel für das kommende Semester soll es nun sein, einen Papaya Workshop auch in Rostock anbieten zu können, nachdem die Medical Students for Choice Berlin diese 2015 zum ersten Mal eingeführt haben und Papaya Workshops inzwischen an vielen verschiedenen Fakultäten in Deutschland zunehmend an Beliebtheit gewinnen. Ziel ist es den Teilnehmenden grundlegende praktische sowie theoretische Kenntnisse über die verschiedenen Techniken des Schwangerschaftsabbruchs (chirurgisch wie medikamentös) zu vermitteln. Dabei liegt besonderer Fokus auf dem Erlernen des chirurgischen Verfahrens, auch Vakuum-Aspiration genannt, anhand einer Papaya. 

Wir hoffen, die nötigen Materialien dafür besorgen zu können sowieso fachärztliche Unterstützung aus der Gynäkologie zu erhalten. 

PAPAYA WORKSHOP

Our goal for the coming semester should now be to be able to offer a papaya workshop in Rostock, after the Medical Students for Choice Berlin introduced it for the first time in 2015 and papaya workshops are now becoming increasingly popular in many different faculties in Germany. The aim is to provide the participants with basic practical as well as theoretical knowledge of the various abortion techniques (both surgical and medicinal). There is a special focus on learning the surgical procedure, also called vacuum aspiration, using a papaya.
We hope to be able to get the necessary materials to receive specialist medical support from gynecology anyway.